Gedichte

 

Zum Thema „Fallenlassen“

   

Man hatte vor tausend Dingen Angst,

vor Schmerzen ...

vor dem eigenen Herzen,

man hatte Angst vor dem Schlaf,

Angst vor dem Erwachen,

vor dem Alleinsein ...

vor dem Tode - namentlich vor ihm, dem Tode.

 

Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen,

in Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte:

das Sich-Fallen-Lassen,

den Schritt in das Ungewisse hinaus,

den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab.

 

Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte,

nur einmal das große Vertrauen geübt

und sich dem Schicksal anvertraut hatte,

der war befreit.

Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen,

er war in den Weltraum gefallen

und schwang im Reigen der Gestirne mit.

 

 Hermann Hesse

 

Schmetterlinge
Text: Carlo Karges
Musik: Novalis
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"Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen,
die nur darauf warten uns einmal schön und mutig zu sehen."
 R.M. Rilke